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Blogtober Speaking

Was du als Speaker von Aristoteles lernen kannst

Mehrere Jahre war ich als Teilnehmer und Vortragender auf der Google Analytics Konferenz in Wien zu Gast. Dabei konnte ich nicht nur viel über Online Marketing und Webanalyse erfahren, sondern auch einen interessanten Ansatz lernen, den alle Vortragenden und Public Speaker einmal gehört haben sollten. Was mir Aristoteles beigebracht hat, berichte ich dir im folgenden Beitrag.

Ok, genau genommen hat es mir nicht Aristoteles beigebracht, sondern vielmehr hat Google Manager David Sneddon seine Keynote 2017 im Schloss Schönbrunn mit den folgenden Gedanken eröffnet. Für jemanden mit AHS-Ausbildung ist das vielleicht gar nichts Neues. Als lange Zeit sehr technisch und weniger philosophisch orientierter HTL-Absolvent und Wirtschaftsinformatik-Student hat es für mich leider relativ lange gedauert, mich mit dieser einfachen aber umso schlüssigeren Formel zu beschäftigen.

Die 3 Säulen der Rhetorik

Lange Zeit glaubte ich in der Vorbereitung meiner Vorträge und Präsentationen, es käme ausschließlich auf den Inhalt an, um damit überzeugen und erfolgreich sein zu können. Vielmehr sind es aber die folgenden drei Bestandteile, über die sich bereits einige Jahrhunderte vor Christus der griechische Philosoph Aristoteles Gedanken gemacht hat:

  1. Ethos
  2. Logos
  3. Pathos

1. Ethos

Zuerst geht’s um deine Glaubwürdigkeit als Redner. Das Publikum muss dein Vertrauen gewinnen. In Sachen „Ethos“ spielt es insofern eine Rolle, als dass du zum Beispiel von anderen deinem Publikum vorgestellt wirst, oder Bücher und externe Publikationen deine Kenntnisse bestätigen. Je mehr externe Faktoren du hier aufweisen kannst, umso besser.

Du solltest deine bisherigen Erfolge so wenig wie möglich selbst in langen Aufzählungslisten aufzeigen. Schließlich wärst du ohne einem entsprechenden Hintergrund, einer Referenz und somit dem bereits aufgebauten Vertrauen anderer gar nicht an der Stelle bzw. hinter dem Rednerpult gelandet.

2. Logos

Hier kommen Zahlen, Daten und Fakten ins Spiel. Es nützt wenig, wenn du zwar erfolgreich Vertrauen aufgebaut hast, dein Thema sich aber nicht „logisch“ untermauern lässt. Dieser Part ist auch jener, in dem ich mich als „Zahlenmensch“ mit technischer Ausbildung am wohlsten fühle. Gleichzeitig musste ich lernen, dass „Logos“ alleine kein rundes Bild beim Publikum abliefert und auch in Kundenterminen nicht immer vollends überzeugt und/oder verkauft.

Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung sondern eine Gewohnheit.

Aristoteles, griechischer Philosoph (384-322 v. Chr.)

3. Pathos

Schließlich geht’s auch um Emotion und Leidenschaft. Nehmen wir an, du bist ein erfolgreicher Wissenschaftler, Autor und/oder Professor. Nehmen wir an, du hast eine aktuelle Studie im Gepäck, die dein Thema fundiert und 100% validiert abdeckt. Aber du versteckst dich hinter dem Rednerpult, nuschelst ins Mikrofon, hast technische Probleme mit deiner Präsentation und und und… Während die ersten beiden Säulen perfekt abgedeckt wären, würdest du beim Publikum dennoch nicht reüssieren, weil der dritte Part nicht passt. Egal ob bewusst oder nicht, können hier Kleinigkeiten dafür sorgen, dass du in Sachen Souveränität und Empathie keinen guten Gesamteindruck hinterlässt.

Ethos, Logos und Pathos also. Keine große wissenschaftliche und/oder philosophische Abhandlung. Vielmehr drei einfache Bausteine für deine nächste erfolgreiche Präsentation. Kanntest du diesen Zugang bereits in der Theorie und beachtest du ihn auch in der Praxis? Wo konntest du überzeugen und wo ging dein Vortrag oder deine Präsentation komplett in die Hose? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Viel Erfolg,

Signature Thomas

PS: Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich das Unterrichten und Vortragen vor Publikum derzeit vermisse. Seit März 2020 sammle ich viel zwar Erfahrung in virtuellen Unterrichts- und Lerneinheiten mit Zoom, MS Teams und Co. Ich bin dankbar für interaktive Formate von einer Handvoll bis über 100 Teilnehmern, mit 2-8 Stunden Dauer, die ich bisher gut und erfolgreich absolvieren konnte. Aber das Live-Erlebnis und alles was zwischen den Vorträgen auf einer persönlichen Ebene passiert, lässt sich „leider“ nicht vollends digitalisieren.

Somit freue ich mich umso mehr über dieses abschließende Erinnerungsfoto mit David Sneddon, der mir den hier ausgeführten Gedanken persönlich mit entsprechender Nach- und Langzeitwirkung näher gebracht hat.

Als Speaker auf der Google Analytics Konferenz 2017
Als Speaker auf der Google Analytics Konferenz 2017 (Thomas Sommeregger, Team von E-Dialog, David Sneddon – v.l.n.r.)

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