Hollywood in Salzburg: Mein cooler „Nebenjob“ als Lichtdouble

Ich staunte nicht schlecht, als mich Mitte November ein Anruf von der Wiener Agentur „Austrocast“ erreichte. „Gute Nachrichten, Du bist bei den Dreharbeiten für den Hollywood-Film in Salzburg mit dabei!“, so lautete die kurze, aber sehr erfreuliche Nachricht. „Hast du eh Zeit?“, lautete die weitere Frage, die ich ohne lange zu zögern mit „Ja“ beantwortete.

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Mehrere Hundert Komparsen waren in Salzburg mit dabei, da durfte ein Warte- und Aufenthaltsraum nicht fehlen.

Hollywood vor der Haustür. Wenige Tage zuvor hatte ich, im „normalen“ Beruf als Marketingleiter bei der Salzburger Internet Agentur elements.at tätig, spontan nach der Arbeit beim Salzburger Casting vorbeigeschaut, wo ich gemeinsam mit weiteren ca. 1.500 Interessierten für eine Komparsenrolle in der Hollywood-Actionkomödie „Knight & Day“ vorstellig wurde.

Niemand geringerer als Cameron Diaz und Tom Cruise sollten Ende November für ein paar Tage in die Stadt Salzburg kommen, um dort unter der Regie von James Mangold (u.a. für die Inszenierung der oscarprämierten Johnny Cash-Biografie „Walk The Line“ verantwortlich) einen Teil der Szenen für ihren neuen Film zu drehen. Und nachdem die Dreharbeiten quasi „vor der Bürotür“ stattfinden sollten, wollte ich mir diese einmalige Chance nicht entgehen lassen.

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Auch wenn mittlerweile mit Digitalanzeige ausgerüstet, die Filmklappe gibt’s noch immer.

Lichtdouble für einen der Hauptdarsteller. Wie sich schnell herausstellen sollte, war die meine Rolle nicht „nur“ auf eine kleine Statistenrolle im Hintergrund (wie z.B. als Hotelgast oder österreichischer Polizist) beschränkt, sondern ich sollte als Lichtdouble für einen der Hauptdarsteller zum Einsatz kommen.

Dabei stellten sich mir gleich folgende zwei Fragen: Erstens, „was genau ist ein Lichtdouble?“, und zweitens, „für welchen Hauptdarsteller werde ich eingesetzt?“. Der Reihe nach: Ein Lichtdouble (englisch stand-in), ermöglicht es dem Regisseur, die Beleuchtung und die Kameraeinstellungen bereits vor Beginn der Aufnahmen ohne den Schauspieler durchzuführen. Das spart Zeit und Geld, und der Schauspieler kann währenddessen noch einmal seine Szene und den Text proben, oder einfach länger im Warmen sitzen. OK, und wen galt es nun zu doubeln? Aufgrund der Vorgabe, dass Lichtdoubles ihrem Schauspieler zumindest in Größe, Statur und Haarschnitt ähneln sollen, schied Tom Cruise (ca. 1,72 m groß und somit 10 cm kleiner als ich) schon mal aus.

Als Agent „Fitzgerald“ Tom Cruise auf den Fersen. Erfreut stellte ich fest, dass es sich bei „meinem“ Schauspieler um Peter Sarsgaard handelte. Dieser hatte bisher u.a. in „Flight Plan“ mit Jodie Foster, „Jarhead“ mit Jake Gyllenhall und zuletzt im packenden Horrorfilm „Orphan – Das Waisenkind“ mitgespielt. In „Knight & Day“ stellt er den Agenten „Fitzgerald“ dar und ist in dieser Rolle als erster Verfolger dem flüchtigen Duo Cruise und Diaz dicht auf den Fersen.

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„Meet & greet“ auf der Steinterrasse: Schauspieler Peter Sarsgaard (links) mit Lichtdouble Thomas Sommeregger.

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Next Stop Sevilla: Wenige Tage nach dem Salzburg-Dreh ging die Arbeit in Spanien weiter: Regisseur James Mangold mit  Peter Sarsgaard und Tom Cruise. (Quelle: www.diariodesevilla.es)

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Verfolgungsjagden in der Salzburger Altstadt. Mehrere Einsätze hatte ich an den insgesamt vier Drehtagen zu verbuchen. Eine Autoszene in einem Waldstück außerhalb von Salzburg stand gleich am ersten Tag am Programm, danach sollten diverse Verfolgungsszenen in Hotelfoyers und auf den Dächern der Salzburger Altstadt folgen – Hubschraubereinsatz, Feuergefechte und Stunt-Action von Tom Cruise höchstpersönlich inklusive.

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Auf einem Anhänger wird der Mercedes durch ein Waldstück außerhalb von Salzburg gefahren, ein Dutzend Personen sind mit dabei, um die Schauspieler im Auto ins rechte Licht zu rücken.

„Es war ein tolles Gefühl, für ein paar Tage Teil des großen, sehr professionellen Filmteams zu sein“, kann ich meine Zeit am Set zusammenfassen. „Auch wenn man oft stundenlang auf seinen Einsatz wartet, kann man dafür Tom Cruise und Cameron Diaz aus nächster Nähe bei der Arbeit zusehen, und das ist ja schließlich auch nicht alltäglich.“

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Die verwendeten Panaflex-Kameras kosten mehrere Zigtausend Euro und benötigen mindestens 3 Personen zur Bedienung.

Einmalig, aber auch anstrengend. Alles in allem ein unvergessliches, wenn auch sehr anstrengendes Erlebnis: Fast die Gänze der Szenen wurde in der Nacht bei kalten Temperaturen im Freien gedreht, Drehschluss war nicht vor 5 Uhr früh. Ich freue nun aber wieder darauf, die bei den Dreharbeiten unverzichtbar gewordene Skiunterwäsche so bald wie möglich wieder für den eigentlichen Zweck, nämlich zum Skifahren daheim im Gitschtal bzw. am Nassfeld, verwenden zu können ;-) .

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Tom Cruise und Cameron Diaz bei den Dreharbeiten in Salzburg (beide Fotos: APA)

Übrigens: Diejenigen von euch, die sich den Film „Knight & Day“ ab Juli 2010 im Kino anschauen, sollten wissen, dass man als Lichtdouble – trotz der nicht unwichtigen Aufgaben während den Dreharbeiten – im fertigen Film (leider) nicht zu sehen sein wird… Sprich: Ihr könnt euch, anstatt konzentriert und vergeblich auf meinen Kurzauftritt zu warten, gleich von vorneherein voll auf den Film konzentrieren ;-)

Update: Oscar-Ehren für Peter Sarsgaard? Wie ich zu Ende der Dreharbeiten online lesen konnte, wird Peter Sarsgaard (zugegebenermaßen kein „A-Promi“, aber ein in der Indie-Szene durchaus angesehener Schauspieler) derzeit heiß für einen Nebenrollen-Oscar gehandelt, für seine Rolle als David in Nick Hornby’s „An Education„. Dann halte ich mal fest die Daumen, zunächst mal für die Nominierung…

Weitere Links:

Abschließender Dank und Gruß an: Harry und Flo von Austrocast, meine Lichtdouble-„Kolleg/Innen“ Sophie, Jojo, Gernot und Georg, weiters an James Mangold, Peter Sarsgaard und dem ganzen Filmteam für die tollen Einblicke am Set sowie natürlich meiner Family, die fast ein Wochenende lang zusätzlich auf mich verzichten musste…

In eigener Sache: Stoppt den Twitter-Wahn…

… naja, zumindest die automatischen wöchentlichen Updates hier im Blog waren etwas unübersichtlich und doch zu viel des Guten. Deshalb ab sofort wieder nur „richtige“ Blog-Posts, und was auf Twitter so passiert, seht ihr ohnehin in der Spalte rechts nebenan ganz oben.

Vorab sei bemerkt, dass Micro-Blogging (also das Verwenden von Twitter) für mich das derzeit schnellere und damit bevorzugte Kommunikationsmedium bedeutet – mein Blog wird also ohne die automatischen Twitter-Updates ab sofort wieder „seltener“ mit neuen Beiträgen aufwarten…

Buchtipp: „Uns gehört die Welt“ von Klaus Werner-Lobo

Bin grade über einen interessanten Hinweis gestolpert. Das Buch Uns gehört die Welt von Klaus Werner-Lobo werd ich mir sicher kaufen (falls ichs nicht vorher gewinne ;-)

Untenstehend noch eine kurze Zusammenfassung von der Seite unsdiewelt.com:

“Multinationale Konzerne und deren Shareholder betrachten die Welt als Ware, mit der man Profite machen kann. Menschenrechte, Demokratie und Umwelt bleiben dabei auf der Strecke. Immer mehr Menschen fühlen sich durch Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung, Diskriminierung und die wachsenden sozialen Unterschiede, aber auch durch globales Elend, Ausbeutung, Krieg und Kinderarbeit bedroht.

Klaus Werner Lobos neues Buch ist aus Diskussionen über das Schwarzbuch Markenfirmen entstanden und erklärt in einfacher Sprache die Zusammenhänge zwischen internationaler Wirtschaftspolitik und unserem Alltag. Es verschafft damit auch NichtexpertInnen und Jugendlichen einen Überblick über die brennenden Themen unserer Zeit: Globalisierung, Finanzkrise, Klimawandel, Ressourcenkonflikte, Migration, Armut, Sozialabbau, Umweltzerstörung…

Gegen die Macht der Multis hilft vor allem Selbstvertrauen, Information, solidarisches Handeln und Zivilcourage. Dieses Buch wird euch nicht nur wütend machen: Es macht Lust, sich gegen globale Ausbeutung, Diskriminierung und Konsumterror zur Wehr zu setzen. Das ist unsere Welt, wir lassen uns nicht verkaufen! Und schon gar nicht lassen wir uns für dumm verkaufen!”